Retainer Kündigen als Freiberufler: Wann und Wie
Ein Retainer-Vertrag ist für Freiberufler eine der stabilsten Einkommensquellen. Aber manchmal passt ein Dauermandat nicht mehr — sei es wegen schlechter Bezahlung, wachsender Unzufriedenheit oder weil neue, bessere Aufträge auf dich warten. Dann musst du den Retainer kündigen. In diesem Leitfaden erfährst du, wann der richtige Zeitpunkt ist, wie du es rechtlich korrekt und professionell umsetzt — und wie du danach wieder neue Daueraufträge gewinnst.
Wann ist eine Retainer-Kündigung sinnvoll?
Nicht jeder Dauerkunde ist ein guter Kunde. Diese Signale zeigen, dass es Zeit ist, einen Retainer zu beenden:
Der Stundensatz ist nicht mehr marktgerecht. Du hast deinen Stundensatz erhöht, aber der Retainer-Kunde zahlt noch den alten Preis — und weigert sich, nachzuziehen. Wenn du für denselben Stundensatz arbeitest wie vor zwei Jahren, verlierst du real Geld.
Der Scope wächst ohne Honoraranpassung. Was mal 20 Stunden pro Monat war, sind inzwischen 35 geworden — ohne Anpassung der Vergütung. Scope Creep im Retainer ist schwer zu kontrollieren, wenn der Rahmen nicht neu verhandelt wird.
Du kannst keine anderen Kunden annehmen. Ein Retainer, der deine Kapazität dauerhaft blockiert, verhindert Wachstum. Wenn du lukrativere Projekte ablehnen musst, weil der Retainer deine Zeit vollständig beansprucht, rechnet sich die Zusammenarbeit oft nicht mehr.
Die Zusammenarbeit stimmt nicht mehr. Schlechte Kommunikation, fehlende Wertschätzung, ständige kurzfristige Anfragen — nicht alles lässt sich mit mehr Geld lösen. Manchmal ist die Beziehung schlicht erschöpft.
Der Kunde ist finanziell unzuverlässig. Wer immer wieder später bezahlt, Mahnungen braucht oder Rechnungen anzweifelt, kostet dich Nerven und Zeit. Bei einem Retainer ist pünktliche Zahlung besonders wichtig.
Kündigungsfristen und rechtliche Grundlagen
Bevor du kündigst, schau in deinen Vertrag. Was steht dort zu Kündigungsfristen?
Im Rahmenvertrag oder Retainer-Vertrag: Die meisten gut gestalteten Verträge regeln eine ordentliche Kündigung — typisch sind 4 bis 8 Wochen zum Monatsende. Manchmal auch eine kürzere Frist von 2 Wochen.
Kein Vertrag oder keine Regelung? Dann gelten die gesetzlichen Regelungen nach BGB:
- Dienstvertrag (§ 621 BGB): Kündigung bei monatlicher Vergütung zum 15. oder letzten Tag des Monats
- Werkvertrag (§ 648 BGB): Du als Auftragnehmer kannst jederzeit kündigen; du behältst Anspruch auf vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen
Außerordentliche Kündigung (fristlos): Nur bei erheblichen Verstößen des Kunden möglich — zum Beispiel dauerhafter Zahlungsverzug über mehrere Monate oder erhebliche Pflichtverletzungen. In solchen Fällen setze zuerst eine schriftliche Frist zur Nacherfüllung.
Halte die Kündigung immer schriftlich fest — eine E-Mail reicht rechtlich aus, bietet aber einen klaren Nachweis.
So formulierst du die Kündigung professionell
Schreibe eine kurze, klare Kündigung. Kein Roman, keine ausführliche Begründung. Ein Beispiel:
Hiermit kündige ich unsere Retainer-Vereinbarung vom [Datum] zum nächstmöglichen Termin gemäß unserer vereinbarten Kündigungsfrist, also zum [Datum]. Ich stehe selbstverständlich für eine geordnete Übergabe zur Verfügung.
Was du NICHT tun solltest:
- Keine ausführliche Begründung — du bist selbstständig und brauchst keinen Grund zu nennen
- Nicht über andere Kunden reden
- Keine Entschuldigungen für deine Entscheidung
- Nicht unter Druck unterschreiben, wenn der Kunde dich bittet zu bleiben
Wenn der Kunde versucht, dich zum Bleiben zu überreden und eine Gehaltserhöhung anbietet, überlege nüchtern: Waren es wirklich nur die Finanzen, die nicht gestimmt haben — oder gibt es andere grundlegende Probleme?
Den Übergang professionell gestalten
Eine professionelle Übergabe schützt deinen Ruf und öffnet Türen für Empfehlungen.
Übergabedokumentation erstellen. Erstelle eine klare Übersicht laufender Projekte, Zugangsdaten, wichtiger Kontakte und offener Aufgaben. Das zeigt Professionalität und macht es dem Kunden leichter, einen Nachfolger einzuarbeiten.
Alle offenen Stunden abrechnen. Bevor du gehst, stelle sicher, dass alle geleisteten Stunden vollständig abgerechnet sind. Nutze deine Zeiterfassungsaufzeichnungen für eine lückenlose Endabrechnung. Mit Toggle Time Tracker kannst du einen abschließenden Projektbericht als PDF exportieren — das erleichtert die Schlussrechnung erheblich.
Empfehlung anbieten. Kennst du einen anderen Freiberufler, der den Retainer übernehmen könnte? Eine Empfehlung hinterlässt einen positiven letzten Eindruck — und wird oft zurückgegeben.
Klare letzte Schritte festlegen. Lege fest, bis wann du welche Aufgaben noch übernimmst und was danach nicht mehr in deiner Verantwortung liegt.
Typische Stolperfallen beim Retainer-Kündigen
Viele Freiberufler begehen beim Kündigen vermeidbare Fehler. Diese kosten Geld oder Reputation:
Zu lange warten. Viele zögern aus Angst, die Beziehung zu schädigen. Aber je länger du wartest, desto mehr Geld verlierst du bei einem schlechten Retainer.
Zu früh ankündigen. Wenn du drei Monate vor dem geplanten Ende ankündigst, kann der Kunde die Zusammenarbeit vergiften oder Aufgaben zurückhalten.
Schlechteres Ergebnis durch Motivationsverlust. Halte deinen Standard bis zum letzten Tag hoch — dein Ruf im Markt hängt auch vom Ausklang ab.
Offene Positionen vergessen. Prüfe vor der letzten Rechnung: Gibt es noch nicht abgerechnete Stunden aus früheren Monaten? Expenses? Auslagen?
Nach der Kündigung: Neuen Retainer gewinnen
Ein beendetes Dauermandat hinterlässt eine Lücke in deiner Kapazitätsplanung. Nutze die freie Zeit aktiv.
Neue Kapazität sofort kommunizieren. Informiere bestehende Kunden und dein Netzwerk. „Ich habe ab dem [Datum] wieder X Stunden pro Monat verfügbar" ist eine direkte Botschaft, die oft schnell Wirkung zeigt.
Aus dem alten Retainer lernen. Analysiere, was gut und schlecht lief. Welchen Stundensatz willst du beim nächsten Retainer? Welche Klauseln — Ablehnung von Aufträgen, Preisanpassung, Stundenbegrenzung — fehlen in deinem bisherigen Retainer-Modell?
Zeiterfassung als Verhandlungsgrundlage. Wenn du zum neuen Kunden gehst, hast du dank sauberer Zeiterfassung konkrete Daten: Wie viele Stunden braucht ein typisches Retainer-Mandat in deiner Branche? Das stärkt deine Verhandlungsposition.
Ein Retainer-Ende ist kein Scheitern — es ist ein Teil des professionellen Freiberufler-Alltags. Wer seine Grenzen setzt und einen Vertrag kündigt, der nicht mehr funktioniert, schafft Platz für bessere Zusammenarbeiten und ein nachhaltiges Geschäft.
Toggle Time Tracker herunterladen und deine Retainer-Stunden pro Kunde sauber nachverfolgen — für eine lückenlose Schlussabrechnung.
