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21. März 2026

Altersvorsorge für Selbstständige: 5 Optionen im Vergleich 2026

Altersvorsorge für Selbstständige: 5 Optionen im Vergleich 2026

Drei Millionen Selbstständige in Deutschland sind laut IZA-Studie nicht ausreichend fürs Alter abgesichert. Der Grund ist simpel: Als Freiberufler zahlst du keine automatischen Rentenbeiträge. Kein Arbeitgeber überweist die Hälfte für dich. Wenn du nicht selbst aktiv wirst, landest du nach 30 Jahren harter Arbeit bei einer Rente von exakt null Euro.

Seit 2026 gibt es zudem eine neue Altersvorsorgepflicht für neu gegründete Selbstständige. Wer bereits selbstständig ist, genießt Bestandsschutz — aber das ändert nichts daran, dass du dich um deine Altersvorsorge kümmern musst. Dieser Leitfaden zeigt dir die fünf wichtigsten Optionen, mit konkreten Zahlen für 2026.

Warum Altersvorsorge für Selbstständige so dringend ist

Im Angestelltenverhältnis fließen automatisch 18,6 % des Bruttogehalts in die gesetzliche Rentenversicherung — zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen. Als Selbstständiger trägst du die volle Verantwortung allein. Kein Personalbüro kümmert sich darum, kein Arbeitgeber stockt auf.

Rechne selbst: Ein Angestellter mit €4.000 brutto zahlt monatlich €372 in die Rente, sein Arbeitgeber nochmal €372. Das sind €744 pro Monat, die für die Altersvorsorge arbeiten. Über 30 Jahre summiert sich das auf über €267.000 — ohne Zinsen. Bei dir als Freiberufler? Null — es sei denn, du handelst.

Dazu kommt: Seit 2026 gilt die neue Altersvorsorgepflicht für Neugründer. Wer sich jetzt selbstständig macht, muss nachweisen, dass er vorsorgt — entweder über die gesetzliche Rentenversicherung oder über einen Rürup-Vertrag. Bestandsselbstständige sind noch nicht betroffen, aber die Richtung ist klar.

Wer seinen Stundensatz richtig kalkuliert, plant die Altersvorsorge direkt ein. Als Faustregel: Reserviere 15–20 % deines Nettoumsatzes für die Rente.

Option 1: Rürup-Rente — der Steuer-Turbo

Die Rürup-Rente (Basisrente) ist die einzige staatlich geförderte Altersvorsorge speziell für Selbstständige. Ihr größter Vorteil: massive Steuerersparnis.

Die Zahlen für 2026:

  • Höchstbetrag: €30.826 (Alleinstehende) bzw. €61.652 (Verheiratete)
  • 100 % der Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar
  • Bei €10.000 Jahresbeitrag und 42 % Grenzsteuersatz sparst du €4.200 Steuern
  • Bei voller Ausschöpfung (€30.826) sind es bis zu €12.947 Steuerersparnis

Was du wissen musst:

  • Auszahlung nur als lebenslange monatliche Rente — keine Einmalzahlung möglich
  • Vertrag ist unkündbar und nicht beleihbar
  • Nicht vererbbar (Ausnahme: Ehepartner/Kinder bis 25)
  • Hartz-IV-sicher: Das Kapital wird bei Bürgergeld nicht angerechnet

Für wen sinnvoll: Selbstständige mit einem Jahreseinkommen ab €70.000, die ihren Grenzsteuersatz von 42 % oder mehr nutzen wollen. Am besten als fondsbasierter Rürup-Vertrag mit ETFs.

Rürup-Rente Steuervorteil für Selbstständige 2026

Option 2: ETF-Sparplan — maximale Flexibilität

Ein breit gestreutes ETF-Depot ist das flexibelste Vorsorge-Instrument. Du behältst die volle Kontrolle über dein Geld.

Vorteile:

  • Jederzeit verfügbar — du kannst einzahlen, pausieren oder entnehmen
  • Historische Rendite eines MSCI-World-ETF: ca. 7 % p.a. langfristig
  • Niedrige Kosten (ETF-Gebühren zwischen 0,1–0,3 % p.a.)
  • Vollständig vererbbar

Steuerliche Behandlung:

Gewinne und Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer (25 % + Soli + ggf. Kirchensteuer). Es gibt keinen Steuervorteil beim Einzahlen — anders als bei Rürup.

Rechenbeispiel: €500 monatlich über 25 Jahre bei 7 % Rendite ergeben ca. €405.000. Davon sind €255.000 Kursgewinne. Nach Steuern bleiben dir rund €340.000 als flexibles Vermögen.

Profi-Tipp: Viele Experten empfehlen die Kombination: Rürup für den Steuervorteil, die Steuererstattung dann in einen ETF-Sparplan investieren. So nutzt du beide Welten — Steuerförderung und Flexibilität.

Wichtig beim ETF-Depot: Die Vorabpauschale fällt seit 2023 jährlich an, auch wenn du nichts verkaufst. Bei einem Depot von €100.000 und einem Basiszins von ca. 2,3 % sind das rund €350 Steuern pro Jahr. Das mindert zwar die spätere Steuerlast beim Verkauf, sollte aber in der Liquiditätsplanung berücksichtigt werden.

Option 3: Freiwillige gesetzliche Rentenversicherung

Du kannst dich als Selbstständiger freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern. Seit der neuen Altersvorsorgepflicht 2026 ist das für viele Neugründer ohnehin Pflicht.

Beiträge 2026:

  • Mindestbeitrag: €112,16 pro Monat
  • Höchstbeitrag: €1.571,70 pro Monat
  • Regelbeitrag (Pauschale): €735,63 pro Monat
  • Existenzgründer (erste 3 Jahre): halber Regelbeitrag €367,82

Vorteile:

  • Erwerbsminderungsschutz inklusive (nach 5 Jahren Mindestversicherungszeit)
  • Beitragsflexibel — jedes Jahr anpassbar zwischen Mindest- und Höchstbeitrag
  • Beiträge steuerlich absetzbar (zählt zum Rürup-Höchstbetrag von €30.826)
  • Keine Verwaltungsgebühren

Nachteile:

  • Rendite liegt deutlich unter einem ETF-Depot
  • Kaum vererbbar (nur in Sonderfällen)
  • Ein Jahr Mindestbeiträge bringt nur ca. €5,68 mehr Monatsrente

Für wen sinnvoll: Wer den Erwerbsminderungsschutz braucht oder mit der neuen Pflicht ohnehin einzahlen muss.

Vergleich der Altersvorsorge-Optionen für Freiberufler

Option 4: Immobilien als Altersvorsorge

Die klassische deutsche Vorsorgestrategie: Eigentum kaufen, mietfrei im Alter wohnen oder Mieteinnahmen kassieren.

Realität für Selbstständige 2026:

Banken verlangen in der Regel drei Jahre positive Steuerbescheide und 20–30 % Eigenkapital. Die Baufinanzierung ist für Freiberufler schwieriger als für Angestellte.

Vorteile: Inflationsschutz, Mieteinnahmen im Alter, steuerliche Abschreibung bei vermieteten Objekten.

Risiken: Klumpenrisiko (alles in einem Objekt), hohe Instandhaltungskosten, Standortabhängigkeit, geringe Liquidität.

Tipp: Immobilien eignen sich als Ergänzung, nicht als alleinige Vorsorge. Die Kombination mit Rürup und ETFs reduziert das Klumpenrisiko erheblich.

Bedenke auch: Als Selbstständiger ist dein Einkommen weniger planbar als bei Angestellten. Eine Immobilienfinanzierung über 25 Jahre setzt voraus, dass du durchgehend genug verdienst, um die Raten zu bedienen — auch in schwachen Monaten. Wer seine Buchhaltung sauber führt, hat hier einen Vorteil bei der Bankverhandlung.

Option 5: Private Rentenversicherung (Schicht 3)

Klassische oder fondsgebundene private Rentenversicherungen bieten einen Mittelweg zwischen Rürup-Rigidität und ETF-Flexibilität.

Merkmale:

  • Kapitalwahlrecht: Einmalzahlung oder Rente — du entscheidest
  • Vererbbar und beleihbar
  • Steuerlich weniger attraktiv als Rürup: nur der Ertragsanteil wird im Alter besteuert
  • Oft höhere Produktgebühren als ein reines ETF-Depot

Für wen sinnvoll: Wer Flexibilität bei der Auszahlung will, aber den Steuervorteil von Rürup bereits ausschöpft. Auch als Ergänzung für Selbstständige, die sich die Option einer Einmalauszahlung im Rentenalter offenhalten wollen — etwa für eine Weltreise oder eine schuldenfreie Immobilie.

Wie viel solltest du monatlich zurücklegen?

Als Faustformel: 15–20 % deines Nettoumsatzes. Hier ein Praxisbeispiel:

  • Jahresumsatz: €80.000
  • Nach Steuern und Betriebsausgaben (ca. 35 %): €52.000 netto
  • 15 % für Altersvorsorge: €7.800/Jahr = €650/Monat

Eine sinnvolle Aufteilung könnte so aussehen:

  • €300 in Rürup — Steuervorteil nutzen, langfristiger Rentenbaustein
  • €250 in einen ETF-Sparplan — flexibles Vermögen, jederzeit verfügbar
  • €100 in die freiwillige Rentenversicherung — Erwerbsminderungsschutz sichern

Diese Verteilung lässt sich anpassen. In guten Monaten stockst du den ETF-Sparplan auf, in schwachen Monaten reduzierst du auf den Rürup-Mindestbeitrag. Entscheidend ist: Du startest überhaupt.

Die Grundlage für diese Kalkulation ist, dass du deinen tatsächlichen Stundensatz und Umsatz kennst. Wer seine Stunden nicht erfasst, kann auch nicht kalkulieren, ob der Stundensatz die Vorsorge abdeckt. Eine präzise Zeiterfassung als Freiberufler ist deshalb keine Nebensache, sondern die Basis für deine finanzielle Absicherung.

Monatliche Sparaufteilung für Altersvorsorge Selbstständige

Die nächsten Schritte

Altersvorsorge als Selbstständiger ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Starte heute mit drei konkreten Schritten:

  1. Prüfe deinen Status: Bist du von der neuen Altersvorsorgepflicht betroffen? Informiere dich bei der Deutschen Rentenversicherung.
  2. Kalkuliere deinen Vorsorgebedarf: 15–20 % deines Nettoumsatzes. Nutze dafür deinen echten Stundensatz — lies unseren Leitfaden zur Stundensatz-Berechnung.
  3. Starte mit dem ersten Baustein: Ein Rürup-ETF-Vertrag oder ein einfacher ETF-Sparplan lassen sich in einer Stunde einrichten.

Wer seine Einnahmen und Ausgaben sauber erfasst, hat die Datenbasis für eine fundierte Vorsorge-Entscheidung.

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